Übung von Rettungsdienst und Feuerwehr
Hiddenhausen. Rettungsdienst und Feuerwehr hatten am vergangenen Dienstag (10.06.2025) eine schwierige Lage zu meistern. Drei junge Frauen waren mitten im Schweichelner-Wald einen „Abhang hinuntergestürzt“ und warteten auf Hilfe. Gut, dass es sich bei dem Szenario nur um eine Übung handelte, an der Feuerwehrleute vom Löschzug Schweicheln-Bermbeck und Rettungskräfte der Feuerwehr Herford teilnahmen. Fünf angehende Notfallsanitäter/innen standen dabei vor ihrer ersten größeren Bewährungsprobe. Am Ende bescheinigte Dr. Steffen Grautoff, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Kreis Herford, allen beteiligten Einsatzkräften gute Leistungen. „Ihr habt Hand in Hand zusammengearbeitet!“
Die alte Mergelkuhle im Schweichelner-Wald war früher ein beliebter Grillplatz. Doch längst hat sich die Natur das Areal zurückerobert. Übungsleiter Dr. Torge Brüning erläutert die Ausgangslage des geplanten Szenarios: „Drei junge Frauen haben sich das verwilderte Gelände zum Klettern ausgesucht. Sie sind unvorsichtig, stürzen ab und ziehen sich dabei zum Teil schwere Verletzungen zu.“ Lea, Nele und Samira sind als Statisten im Einsatz und haben sich bereits in Position gebracht. Ihre „Wunden“ aus Theaterschminke wirken täuschend echt.

Rettungsdienst und Feuerwehr eilen in den Schweichelner Wald.

Drei Frauen sind beim Klettern abgestürzt und müssen versorgt werden.
Hilferufe aus dem Wald
Zeitgleich haben sich am Gerätehaus an der Bahnhofstraße bereits zahlreiche Ehrenamtliche der Feuerwehr Hiddenhausen und hauptamtliche Kräfte des Rettungsdienstes Herford versammelt. Von den „Ereignissen“ im Schweichelner Wald ahnen sie zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Das ändert sich um 19.30 Uhr abrupt. Eine der drei „Unfallbeteiligten“ setzt noch selbständig den Notruf ab, kann aber nur wage den Unglücksort beschreiben. Die Einsatzkräfte lokalisieren die Einsatzstelle schließlich anhand einer speziellen Waldbrandkarte. Bereits kurz nach der Alarmierung rückt das Hilfeleistungslöschfahrzeug aus. Über die Hans-Böckler-Straße geht es zur alten Mergelkuhle. Einsatzleiter Drees Beckmann und seine Leute verschaffen sich einen ersten Überblick und leiten Erste-Hilfe-Maßnahmen ein. Zwei „Kletterinnen“ liegen „verletzt“ unterhalb der Mergelsteinwand auf einem Berg aus Geröll. Aus dem Wald sind Hilferufe einer weiteren Person zu hören. An einem Abhang, der etwas abseits liegt, finden die Feuerwehrleute schließlich die dritte Frau. „Sie ist unter einen Baumstamm geschleudert und eingeklemmt“, erklärt Übungsleiter Dr. Torge Brüning.
Bodycheck nach ABCDE-Schema
Mittlerweile ist der Rettungsdienst ebenfalls vor Ort. Clara Mies (22), Luka-Marie Mildner (22), Thilo Stadtmüller (22), Leona Traeder (24) und Gregory Günter (29), fünf angehende Notfallsanitäter/innen im ersten Lehrjahr, übernehmen die medizinische Erstversorgung der „verunglückten Kletterinnen“. Sie stehen zum ersten Mal ohne ärztliche Hilfe vor einer solch anspruchsvollen Aufgabe; denn der Notarzt soll sich noch auf der Anfahrt befinden. Zunächst unterziehen die Auszubildenden alle drei Patientinnen einem sogenannten Bodycheck. Er diene dazu, Schwellungen, Blutungen oder Fehlstellungen, festzustellen, sagt Praxisanleiterin Katharina Zeidler. „So können die Betroffenen in verschiedene Kategorien (Rot, Gelb, Grün) eingeteilt werden, um ihre Dringlichkeit zu bestimmen und die Behandlung entsprechend zu priorisieren“, ergänzt Kollege Marco Elmers.
Die angehenden Notfallsanitäter/innen beginnen nach dem ABCDE-Schema mit der Kontrolle der Atemwege (A wie Airway) und der Atmung (B wie Breathing). Während der schnellen Trauma-Untersuchung (STU) wird klar, dass sich Patientin Nummer 1 – sie liegt „eingeklemmt“ unter dem Baumstamm – eine „schwere Beckenverletzung“ zugezogen hat (E wie Exposure). Mit Hilfe einer Beckenschlinge gelingt es den Azubis die „Blutung“ einzudämmen. Danach übernehmen die Einsatzkräfte der Feuerwehr die technische Rettung. Sie bringen zwei pneumatische Hebekissen in Stellung, sodass der Stamm angehoben und die Verletzte darunter hervorgezogen werden kann. Sie wird anschließend auf einem Rettungsbrett (Spineboard) durch das unwegsame Gelände getragen und im Rettungswagen weiter behandelt. Patientin 2 hat hingegen eine „offene Unterschenkelfraktur“ mit „schwerer arterieller Verletzung“ davongetragen. Die Auszubildenden stoppen die „Blutung“ mit einem Knebel, dem sogenannten Tourniquet, und bekommen dadurch das „Kreislaufproblem“ (C wie Circulation) in den Griff. Die Frau berichtet zudem über Kribbeln in den Beinen, sodass eine „Rückenverletzung“ nicht ausgeschlossen werden kann. Das Rettungsdienstpersonal trifft deshalb alle Vorbereitungen für den schonenden Abtransport und bekommt dabei Unterstützung von der Feuerwehr. Die Patientin Nummer 3 ist dafür nur leicht verletzt. Ihre „klaffende Wunde“ am Arm stoppen die Retter mit einem Druckverband.
Am Ende ziehen die angehenden Notfallsanitäter/innen und Feuerwehrleute ein positives Fazit aus der gemeinsamen Übung. Dr. Steffen Grautoff und Übungsleiter Dr. Torge Brüning zeigen sich ebenfalls zufrieden. „Ihr habt die Lage strukturiert abgearbeitet“, sagt Grautoff, „und das ohne ärztliche Unterstützung.“ Der Lernerfolg habe im Vordergrund gestanden - gleichzeitig hätten alle Teilnehmenden Spaß am Lernen gezeigt, ergänzt Brüning.
Von Jens Vogelsang
(Text u. Fotos)
Stichwort: Notfallsanitäter/innen
Notfallsanitäter/innen verfügen über die „höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst“. Sie sind darauf vorbereitet, schwere Erkrankungen und Verletzungen eigenständig zu behandeln und dürfen dabei auch bestimmte Notfallmedikamente eigenverantwortlich verabreichen. Die dreijährige Ausbildung ist umfangreich, anspruchsvoll, aber auch abwechslungsreich. Der theoretische Teil findet am Studieninstitut Westfalen-Lippe in Bielefeld statt, während die Praxis durch den Einsatzalltag auf der Rettungswache dazukommt. Die angehenden Notfallsanitäter/innen absolvieren daneben ein mehrmonatiges Praktikum im Klinikum.
-Vo-

Die Statistinnen haben sich in Position gebracht.

Glücklicherweise bestehen die Verletzungen nur aus Theaterschminke.

Feuerwehrleute vom Löschzug Schweicheln-Bermbeck leisten Erste-Hilfe.

Der Rettungsdienst trifft ein.









(v.l.) Übungsleiter Dr. Torge Brüning und Dr. Steffen Grautoff, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Kreis Herford.



(v.l.) Einsatzleiter Drees Beckmann und Gruppenführer Thomas Graf.


Der Baumstamm wird mit Leinen gesichert.

Zur Menschenrettung werden pneumatische Hebekissen eingesetzt.


Mit vereinten Kräften wird die Verletzte unter dem Baumstamm hervorgezogen.


Einsatznachbesprechung

Das Statistenteam: (v.l.) Samira, Lea und Nele.


Rettungsdienst und Feuerwehr ziehen ein positives Fazit.
