Übungsdienst des Löschzugs Schweicheln-Bermbeck 
Hiddenhausen. Auf ein gut gezapftes Bier gehört eine Schaumkrone und zur Entspannung bietet sich ein Schaumbad an. Im Notfall kann die Feuerwehr ebenfalls ordentlich Schaum erzeugen. Der hat allerdings einen ganz anderen Zweck. Die „weiße Pracht“ hilft bei der Brandbekämpfung. Ende Mai 2026 hatte der Löschzug Schweicheln-Bermbeck erstmals seit längerer Zeit wieder Gelegenheit, das „Löschmittel Schaum“ zu Übungszwecken einzusetzen.
„Besonders die jüngeren Kamerad/en/innen sollen heute praktische Erfahrungen sammeln“, sagt Thomas Graf, der den Dienst gemeinsam mit Fabian Grün vorbereitet hat. 25 Aktive sind an diesem Abend mit von der Partie. Mit allen drei Löschfahrzeugen, dem Gerätewagen Logistik und dem Einsatzleitwagen geht es zur Kläranlage Hiddenhausen.
Bevor die praktischen Übungen starten, stehen einige theoretische Grundsätze auf dem Programm. „Löschschaum besteht aus den Komponenten Wasser, Schaummittel und Luft“, erklärt Ausbilder Fabian Grün. Das Schaummittelkonzentrat führt die Feuerwehr standardmäßig in gelben 20-Liter-Kunststoffkanistern auf ihren Löschfahrzeugen mit. Per Zumischer, einem regelbaren Gerät, das die Wehrleute in die Schlauchleitung einbauen, wird das Mittel dem Löschwasser beigemengt. Und das funktioniert nach dem Injektor-Prinzip – also per Unterdruck. Eine dreiprozentige Zumischung bedeutet, das Gemisch besteht aus 97 Prozent Wasser und drei Prozent Konzentrat. „Das Schaummittel-Wasser-Gemisch wird am Schaumrohr mit der Luft verwirbelt, sodass der weiße Löschschaum entsteht“, so Grün. Der eigne sich besonders gut bei Flüssigkeitsbränden (Brandklasse B), sagt Ausbilder Thomas Graf. „Er wird wie ein Teppich über das Feuer gelegt. Weil kein Sauerstoff mehr an den brennbaren Stoff gelangt, ersticken die Flammen.“ Der Schaum wirke noch auf eine andere Weise, so Graf: „Das enthaltene Wasser verdampft und kühlt die Flammen herunter.“

Beim Löschzug Schweicheln-Bermbeck stehen praktische Übungen mit dem Schaumrohr auf dem Programm.

Die jungen Aktiven sammeln viele neue Erfahrungen.
Löschschaum „klatscht“ an die Wand
Ein leeres Klärbecken, das sich auf dem Gelände befindet, eignet sich hervorragend für die praktischen Übungen, da der (biologisch abbaubare) Löschschaum so nicht in die Umwelt entweichen kann. Die Mannschaft des Hilfeleistungslöschfahrzeugs 2 nimmt ein Schwerschaumrohr (S 4) und ein Kombinationsschaumrohr (S 4 / M 4) vor, mit dem sowohl Schwer- als auch Mittelschaum erzeugt werden kann. Das Ausbilderteam erklärt den Unterschied: „Schwerschaum enthält wenig Luft, ist dafür sehr wasserreich, zähflüssig und schwer. Mittelschaum ist im Gegensatz dazu voluminöser, weil er aus mehr Luft und weniger Wasser besteht.“ Währenddessen übt die Mannschaft des Hilfeleistungslöschfahrzeugs 1 das Vorgehen mit einer selbstansaugenden Mittelschaumpistole (AWG M0,4).
Der Schaum „klatscht“ an die Umrandung des Klärbeckens und schiebt sich dann als geschlossene Decke von hinten über den fiktiven Brand. „Das Vorgehen ist eine sehr effektive Methode, um brennende Flüssigkeiten abzulöschen!“, erklärt Graf. Da ein herkömmliches Hohlstrahlrohr sehr feine Tropfen bildet, besteht die Möglichkeit, es behelfsmäßig auch zur Erzeugung von Löschschaum einzusetzen. Es ist allerdings anders aufgebaut und deshalb kein vollwertiger Ersatz für ein klassisches Schaumrohr, wie die Versuche der Feuerwehrleute zeigen. Das Schaummittel kann auch als Netzmittel verwendet werden - also mit einer sehr geringen Zumischrate dem Löschwasser beigemengt werden. „Dadurch wird die Oberflächenspannung des Wassers reduziert“, erklären Graf und Grün. Das Löschmittel könne so besser in das Brandgut eindringen.
Nach gut zwei Stunden heißt es „Schaumrohr – Wasser halt!“ Nun werden alle Geräte gut mit klarem Wasser gespült. Dann geht es zurück zum Gerätehaus. Die Wehrleute bedanken sich bei den Mitarbeitern des Abwasserwerks der Gemeinde Hiddenhausen, die den Übungsabend möglich gemacht haben.
Von Jens Vogelsang
(Text u. Fotos)


Ausbilder Thomas Graf (l) erklärt die Grundsätze.






Ausbilder Fabian Grün (l) gibt Tipps zum Umgang mit dem Schaumrohr.

Nach dem Injektor-Prinzip saugt der Zumischer das Schaummittelkonzentrat aus dem Kanister.

Mit dem Kombi-Schaumrohr kann wahlweise Schwer- oder Mittelschaum erzeugt werden.


Mit dem Schwerschaumrohr lassen sich große Wurfweiten erreichen.



Einsatz der selbstansaugenden Mittelschaumpistole

Ein Hohlstrahlrohr dient behelfsweise zur Erzeugung von Löschschaum.




